Luther, Katharina – Über ein Gesangbuch

Mir ist ein Gesangbuch aus sunder Lieb und Freundschaft geben worden, daß ich es lesen soll, welches in Behem gedruckt ist von einem gottsfürchtigen Mann. Sein Nam ist Michel Wiß, welchen ich leiblicher Person halb nit kenn. Wie aber der Herr sagt: aus ihren Früchten werdet ihr sie erkennen, also hab ich, da ich das Buch gelesen, müssen urtheilen, daß dieser Mann die ganz Bibel offen in seim Herzen habe, ja derselben ein Kundschaft und Erfahrnuß habe, wie die lieben zween Männer, Josua und Caleb, des gelobten Landes, nachdem sie es treulich besucht und durchwandert hatten aus Befehl des Herrn durch Mosen. Ich hab solchen Verstand der Werk Gottes in diesem Buch funden, daß ich wünsch, daß es alle Menschen verstünden. Ja, ich muß es vielmehr ein Lehr-, Gebet- und Dankbuch, dann ein Gesangbuch heißen. – Darum, lieber Christ, wer du auch seyest, dieweil du doch dein Kind und Gsind bisher viel wüste und schandliche Lieder hast singen lassen, so laß sie doch nun auch solch göttliche Lieder singen, darin sie ermahnt werden, Erkanntnuß ihres Heils zu suchen und sich zu Gott zu bekehren, darbei sie viel baß Gott gefallen, dann kein Pfaff, Münch oder Klosterfrauen mit ihrem unverständigen Chorgesang. Ich wünsch aber allen Menschen Erkanntnuß des Guten und das ewig Heil. Amen. K. Z.

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