Augustinus – Gerechtigkeit

Ich hätte verzweifeln müssen wegen meiner vielen Sünden und unzählbaren Versäumnisse, wenn nicht dein Wort, o Herr! Fleisch geworden wäre und unter uns wohnte. Aber jetzt getraute ich mir nicht mehr zu zweifeln, geschweige zu verzweifeln; denn nachdem wir, da wir noch Feinde waren, mit Gott versöhnt sind durch den Tod seines Sohnes; um wie vielmehr werden wir, da wir nun versöhnt sind, selig werden durch Ihn? Ich setze aber alle meine Hoffnung und meine ganze Zuversicht mit voller Gewißheit auf sein kostbares Blut, welches für uns und zu unserm Heile vergossen ist; durch dasselbe lebe ich auf, und im Vertrauen darauf sehne ich mich, zu dir zu kommen, nicht mit meiner Gerechtigkeit, sondern mit der Gerechtigkeit, die von dem Sohne, unserm Herrn Jesu Christo, kommt.

St. Augustin. Medit. C. 14.

Aurelius Augustinus – Was können wir von Gott sagen?

Ohne höheres Licht so viel als Nichts, mit höherem Lichte, so viel als ein Mensch von Gott sagen kann. Die Barmherzigkeit Gottes muß das Meiste thun, muß helfen, daß jeder so viel fasse, als er tragen kann, denn ich sage nur, was ich sagen kann. Den suche ich noch immer, der es sagen kann, wie es ist. Vielleicht, verzeiht mir das kühne Wort, hat auch Johannes nur gesagt, wie er’S konnte, nicht, wie es ist, denn er redet als Mensch von Gott, zwar erleuchtet, aber immer noch Mensch. Als erleuchtet sagt er Etwas, unerleuchtet hätte er nichts gesagt.

Aurelius Augustinus – Gute Köpfe

Das ist die Art guter Köpfe: Sie lieben nicht die Worte, sondern das Wahre in den Worten. Denn wozu taugt ein goldener Schlüssel, wenn er nicht aufschließt, was wir offen haben wollen? Was schadet uns ein hölzerner, wenn er aufschließt? Da wir doch nichts wollen, als daß er, was verschlossen ist, aufschließe? Doch weil zwischen dem Essenden und Lernenden immer noch eine große Aehnlichkeit statt findet, so muß man, um dem Ekel der Meisten zu wehren, die Speisen, ohne die man nicht leben kann, auch würzen und schmackhaft machen.