Gerhard Tersteegen – Über viele Worte

Betet viel und redet wenig. Der Schwätzgeist ist eine Zerstörung aller christlichen Zusammenwohnungen, eine Auslöschung der Andacht, eine Verwirrung der Gemüter, eine Verschwendung der Zeit, eine Verleugnung der göttlichen Gegenwart. – Viele Worte sind ein Zeichen meist von einem noch zerstreuten Geist: Wer Gott kommt nah, der lernet schweigen und sich in stiller Ehrfurcht beugen.

Sixtus Karl Kapff – Das Gebet

Das Gebet ist die Himmelfahrt des Geistes. Wie der Sohn Gottes sichtbar gen Himmel gefahren, so soll ein Kind Gottes täglich sich erheben dahin, wo er ist. Darum müssen wir austreten aus der Welt und dem, was in der Welt ist, uns emporschwingen über die Erde und auch ihren Staub von unsern Füßen schütteln. So entfesselt und frei kann der Geist aufsteigen zu seiner Heimat und sehen das Antlitz seines Vaters im Himmel. Aber nur im Sohn sehen wir den Vater; denn ohne den Sohn müssen wir sterben in unseren Sünden und zittern und beben vor dem Richter. Der Sohn allein ist der Weg zum Himmel und die Wahrheit und das Leben des Geistes. So ist zum Gebet das erste, daß wir Jesum Christum vor Augen und im Herzen haben. Das heißt beten: reden mit Jesu und durch ihn mit dem Vater, reden wie ein Kind über alles, was uns bewegt, über das Kleinste wie über das Größte, denn vor Gott ist nichts klein, das Kleine ist vor ihm groß und das Große klein.

Johann Institor – Anweisung zum Gebet

Bitte den Herrn nur darum demüthig, daß er dich nicht in geistlicher Dürre und Finsterniß verderben lasse, und sei sonst nicht bekümmert, was sich dir in der Zukunft ereignen könne. Denn dein Vater wird für dich in allen Stücken sorgen; er wird dir zu seiner Zeit Noth und Kämpfe senden, aber wenn es ihm gut dünkt, auch unerwarteten Trost. Er hat uns von Ewigkeit geliebt und bis hieher geholfen, wie sollte er jemals unserer vergessen, oder etwas geschehen lassen können, das nicht zu unserm Heile diente? So wollen wir ihm denn mit guter Zuversicht Glück und Unglück anheimstellen, und nur darum bitten, daß er uns vor Sünden bewahre.

Geiler von Kaysersberg – Gebet

Das Gebet wirkt Zweierlei in dir. Erstens zerstreut es den Nebel, der das Haupt der Seele, die Vernunft, umhüllt und verfinstert hat, daß sie nicht aufschauen kann zu Gott dem Herrn; es schärft deinen Verstand und erfrischt dich mit lebendiger Hoffnung. Zweitens stärkt es den Willen zu allen Tugenden, daß du fromm und willig wirst, viel zu leiden, wenn es Gottes Wille ist. Es giebt keine kräftigere Arznei wider allen Mangel und alle Anfechtung, als ein andächtiges und herzliches Gebet.

Geiler von Kaysersberg – Gebet

Wenn dir Himmel und Erde zu eng ist, wenn du nirgends dich ruhig anlehnen und halten kannst, wenn du in dem heißen Ofen der Anfechtung sitzest, so gieß aus zu Gott ein andächtiges, reines, inbrünstiges Gebet aus der Tiefe deines Herzens. Dann wird dir Gnade und Geduld gegeben werden, daß du ausharren magst, dann wird kühler Himmelsthau auf dich herabfallen, der die grimmige Hitze löscht, der Seelen Angst und Betrübniß mildert.

Erb, Matthias – Vom Gebet der Kinder

Es ist fruchtparlich on allen zweifel/ daß man die kind anfangs inn der schull anhalte/ vnd lerne sie im geist vnd der warheyt ernstlichen betten/ darauß nitt allein sie/ sonder ettwan auch farlessige elteren/ ja ein gantz haußgesind mag verbesseret werden/ so sie sehen den kindischen eyffer vnd Christenliche zucht/ sich aber in vnwissenheit eraltet/ Darumb sollen die schulmeister die kind erstlichen leren/ zu Gott durch Jesum Christum inn aller notturfft allein ruffen/ vorauß sollend sie leeren den verstand des Vatter vnsers/ vnnd andere kurtze Psalmen vnd Gebettlen/ so auff daß kurtzest auß der geschrifft geklaubet/ auff welche wir auch niemandt verbunden wöllen haben/ daß wir nit erachtet werden/ als die so neüwe Hortulos animae beschryben/ dann der geist des gebets/ soll an khein wort/ statt/ oder zeit/ nach zall/ angebunden sein/ sonder frey/ ongespert bleiben/ rc.

Cyprian – Von der Nachfolge

Laßt uns in den Händen die göttliche Schrift halten, im Sinne nur den Gedanken an den Herrn wohnen; beständiges Gebet möge gar nie verstummen, heilbringende Wohltätigkeit keinen Augenblick erlahmen! Laßt uns stets in geistlichen Werken uns betätigen, damit der Feind, sooft er einen Angriff versucht, unsere Brust gegen ihn wohlverwahrt und gerüstet findet!