Butzer, Martin – An seinen Sohn

In welch herzlichem Ton ermahnt Butzer seinen zwanzigjährigen Sohn Nathanael (welcher, schwachsinnig, Gerber und später Sigrist an der Alt St. Peterkirche wurde): „Ich weiß leider deine Schwachheit an Leib und Gemüt wohl,“ so schreibt er, „und habe wahrlich ein väterlich Mitleid mit dir. Und dennoch hat dir der Herr, etwas zu lernen und zu tun, die Maße seiner Gnad gegeben; die verleugne nicht, ja erwecke sie in dir durch wahres gläubiges Gebet, durch fleißiges Hören und Lesen Gottes Wortes und Halten zu den Gottesfürchtigen, und ohne Unterlass übe dich in dem Katechismus und lerne den gekreuzigten Heiland Jesum Christum immer besser erkennen und in ihm suchen allen Nutz, Trost und Lust …“

Ambrosius Blarer an Jacob Otter

Ach mein Otter, mein teurer Bruder, alle Nerven deines Geistes, der Gelehrsamkeit, des Glaubens, der Liebe strenge an, wirf deine ganze Kraft darauf, daß die Kirche so innig wie möglich zusammengekettet werde, indem ihr bei euch selber den Anfang machet, die ihr bestimmt seid, den anderen den Weg des Friedens und der Einigkeit zu zeigen. Ich hasse ärger als alles eure Parteinamen. Wer Christus zugeschworen ist, darf nicht otterisch und nicht fuchsisch, er muß christisch sein!

Caspar de Coligny – Aus einem Brief an seine Frau

Ich habe Vertrauen zu Gott, er wird sich seiner armen Kirche und dieses Königreiches erbarmen. Ich ermahne euch, daß ihr treu bei dem Evangelium verharrt; denn Gott hat uns erkennen lassen, daß es die whre udn sichere Speise des Himmels ist. Ich kann kein größeres Glück finden, als für den Namen Gottes zu leiden. Ihr möget nun von meinem Gefängnis oder Tod hören – steht fest und lasset das Kind, welches Ihr unter dem Herzen tragt, durch die Diener des göttlichen Wortes taufen, und eher leidet selbst den Tod, als daß ihr duldet, daß es durch den Aberglauben der römischen Kirche befleckt wird.

Francois de la Motte Fenelon – Brief an Ludwig XIV. (Auszug)

Majestät, Sie sind geboren mit einem geraden, gerechten Sinn, aber ihre Erzieher haben Ihnen als einzige Regierungsweisheit Mißtrauen und Eifersucht, Furcht vor jedem glänzenden Verdienst, Vorliebe für geschmeidig, kriechende Menschen, Hochmut und ausschließliche Sorge für das eigene Interesse eingeprägt. Alle alten Staatsgrundsätze sind erschüttert oder umgestürzt worden, um ihre Autorität auf den höchsten Gipfel zu erheben. Sie lieben Gott nicht. Sie haben nur eine knechtische Furcht vor ihm. Die Hölle – und nicht Gott fürchten Sie. Ihre Religion besteht in Aberglauben, in kleinlichen, äußeren Zeremonien. Sie lieben nur Ihren Ruhm und Ihre Bequemlichkeit. Sie beziehen alles auf sich, wie wenn Sie der Gott auf Erden wären und alles andere nur dazu erschaffen wäre, Ihnen aufgeopfert zu werden.

Nathan Söderblöm – An seine Studenten

Setzen Sie ihre Studien fort, ohne Furcht, bei jemandem Unbehagen zu erregen! Ich beglückwünsche Sie, Daß Sie mit einem Amos, Hosea, Jesaja, Jeremia, Paulus, Augustin, Franziskus, Luther, Pascal, Kierkegaard umgehen dürfen. Und hoch über ihnen allen der Meister, Jesus Christus, der Herr, der vor unseren Blicken wächst, je näher wir ihm kommen. Ihn sollt Ihr Euren Brüdern zeigen, die Ihr dadurch befreit seid, daß Ihr Euch seinem Joch unterworfen habt. Das Menschenherz soll Euch in der Religionsgeschichte sein innerstes Geheimnis verraten: die Sehnsucht nach Gott. … Aber Ihr werdet mehr finden. Ihr werdet Augen finden, die selbst den himmlischen Glanz gesehen haben, und Ihr werdet Zungen hören, die von seiner Herrlichkeit reden können.