Markus Hauser – Mancherlei Gaben, doch nur ein Geist

Ein Christ kann den Heiligen Geist in reicher Fülle haben, ohne eine spezielle Gabe des Geistes zu besitzen. Der Geist teilt einem jeden zu, wie er will. Und er gibt seine Gaben zum gemeinen Nutzen. Die Gemeinde Christi soll dadurch erbaut werden. Wenn ein Wiedergeborener nicht Wunder tun, nicht Kranke gesundmachen, nicht weissagen kann, so ist das nicht ein Zeichen des mangelnden Geistes. Wem der Heilige Geist keine besondere Gabe mitteilen will, der soll sich nicht verkürzt fühlen. Wer besondere Aufgaben im Namen Jesu zu lösen hat, dem teilt der Heilige Geist eine diesbezügliche Gabe mit. Wer aber gegen den Geist stets treu ist, der kann auch ohne besondere Gabe im Reiche Gottes Herrliches wirken. Alle Geistgetauften können und müssen zur Ehre Gottes tätig sein; aber es gibt noch neben den treuen Arbeitern eine kleine Schar auserwählte Rüstzeuge, die als Herolde des Herrn mächtig wirken in der Kraft des Heiligen Geistes. „Ihr seid das Licht der Welt“, sagt Jesus zu seinen Jüngern. Aber nicht alle sind Apostel oder Wundertäter oder des etwas. In allen, die der Heilige Geist erfüllt, ist für Jesus zeugende und für Jesus wirkende Kraft, aber sie haben nicht alle dieselbe Aufgabe. Kalte, tote Herzen werden angefaßt und entzündet, wo sie mit Geisterfüllten in Berührung kommen. Wo aber noch dazu besondere Gaben des Heiligen Geistes sich finden, da ist eine Befähigung und eine göttliche Bestimmung, für das große Ganze des Reiches Gottes zu wirken. Es ist wichtig, daß die Gemeinde des Herrn nicht ohne diese Gaben sei.

Hamann, Johann Georg – Wer den Geist Gottes hat, versteht die Schrift

Wie der Geist Gottes die kleinsten Ordnungen, welche in seinem Dienst gemacht werden, aufgezeichnet und die kleinsten Umstände anmerkt! Es ist eben dies die Art, wie er in unseren Seelen wirkt. Wer den Geist Gottes in sich fühlt, wird ihn gewiß auch in der Schrift fühlen. Wie er die kleinsten Umstände, die uns begegnen, anwendet, um die Menschen zu erbauen, aufzurichten, zu erfreuen, zu trösten und zu warnen! So wahr ist es, daß seine Absicht gewesen, keinen andern als Gläubigen, als wahren Christen durch sein göttliches Wort zu gefallen. Der Ungläubige geht ihn nichts an, er mag so einfältig und so gelehrt sein wie er will. Er ist versiegelt für ihn. Der Gläubige ist sein Vertrauter. Er läßt sich schmecken von dem einfältigsten wie von dem tiefsinnigsten Verstande mit gleicher Wollust, mit gleichem Reichtum, himmlischer Wahrheit und übernatürlicher Gnade.

Johann Albrecht Bengel – Über das Gebet zum Heiligen Geist

In der Heiligen Schrift werden die meisten Gebete an den Vater gerichtet, bei den Evangelisten viele an den Sohn, wie zum Beispiel das Gebet des Stephanus in der Apostelgeschichte und einige Gebete in der Offenbarung. An den Heiligen Geist werden keine gerichtet. Warum? – Weil er ein Geist des Gebets ist. Nichtsdestoweniger darf man zu ihm beten; denn wir sind in seinem Namen nicht minder getauft als in den des Vaters und des Sohnes. Der Geist ist unter den Dreien, die da zeugen im Himmel. Die Ökonomie (die göttliche Haushaltung) des Heiligen Geistes wird anfangen, wenn der Geist der Welt, das ist das Wesen der Welt, in dem der Teufel nistet (1. Kor. 2), im Tausendjährigen Reich abnimmt.