Bernhard von Clairvaux – Die Kirche

Von dem Zustande und der Vollendung der Kirche hängt das Ende aller Dinge ab. Nicht eher wird Gottes Lob in höchster Weise gepriesen werden, als bis alle Heiligen kommen und im Angesichte der Engel singen: Wir freuen uns der Tage, da Du uns geschlagen, der Jahre, da Du uns hast leiden lassen! Solche Art des Frohlockens lernt der Himmel nur durch die Söhne der Kirche kennen. Es kann nur sein, wo es vorher gefehlt hat. Erwünscht kommt nach der Traurigkeit die Freude, nach der Arbeit die Ruhe, nach dem Schiffbruch der Hasen. Allen gefällt die Sicherheit, am meisten aber denen, die zuvor in Furcht lebten. Lieb ist wohl Allen das Licht, aber am liebsten dem, der lange in finsterer Nacht wandelte. Doppelt groß erscheint das Gnadengeschenk des Lebens, wenn man vom Tode zum Leben hindurchgedrungen ist.

Hermann Bezzel – Der Kirche Fundament

„Allein aus Gnaden!“ — das ist der Artikel, von dem man nicht weichen kann, mit dem die Kirche steht und fällt, den unsere Kirche geradezu den Kern der Frucht heißt. Es ist dieser Artikel der Grund, auf dem unsere ganze Kirche steht. Man kann ihr alles nehmen, wenn nur der Artikel bleibt, dem alle anderen sich unterstellen müssen: „Allein aus Gnaden, allein durch Christum!“

Der Heilige Geist will uns als einzige Wahrheit in das Herz geben, welch ein Reichtum es sei, mit Jesu eins zu werden.

Hermann Bezzel: Der Schatz der Kirche

Was macht mir meine Kirche so teuer, die Kirche, von der die meisten gar nicht wissen, was sie eigentlich ist? Weil der Heilige Geist in ihr wohnt, weil keine Kirche so einfach zum Worte steht, so herzlich singt, so treulich betet, so einfach leidet, so selbstverständlich verzichtet, so kindlich hofft und so männlich kämpft wie meine Kirche.

Hermann Bezzel – Die eine Herde

Wie alle Blumen, ob leuchtend oder schlicht, nach der Sonne schönem Licht sich bemühen und alle Rinnsale und Quellen zu dem einen Meer eilen, so sollen und wollen alle Christenleute, auf allerlei Weise tätig, auf Grund der empfangenen allgemeinen Gnade einer Herde und einem Hirten angehören, der wahrlich auch außerhalb der Grenzen Roms, aber auch nicht nur innerhalb der Mauern Wittenbergs und Genfs die Seinen herrlich weidet.