Kierkegaard, Sören Aabye – Von der Entschärfung bis zur Abstumpfung ist es nicht weit

„Nimm die Heilige Schrift, schließe die Tür hinter dir zu – nimm dann aber zehn Wörterbücher, fünfundzwanzig Auslegungen: so kannst du die Heilige Schrift ebenso ruhig und ungeniert lesen, wie du den Lokalanzeiger liest. Fällt es dir dann – wunderlicherweise – gerade, wenn du so recht schön dasitzt und eine Stelle liest, zwischendurch ein: „Hab ich dies getan, handle ich hiernach?“ (natürlich nur in Geistesabwesenheit, in einem zerstreuten Augenblick, da du nicht mit dem gewohnten Ernste gesammelt bist, kann dir dergleichen widerfahren), so ist die Gefahr doch nicht eben groß.

Denn sieh, vielleicht sind da mehrere Lesarten, und vielleicht wird gerade jetzt eine neue Handschrift aufgefunden, ei, Gott behüte – da ist Aussicht auf neue Lesarten, und vielleicht sind fünf Ausleger der einen Meinung und sieben einer anderen, und zwei einer merkwürdigen Meinung, und drei schwanken oder haben gar keine Meinung, und „ich selbst bin nicht ganz einig mit mir über den Sinn dieser Stelle, oder, um meine Meinung zu sagen, ich bin der gleichen Meinung wie die drei Schwankenden, die keine Meinung haben“ und so weiter…

Justin – Vom Bibellesen

Todesstrafe ist zwar (von den Feinden der Christen) auf diejenigen gelegt, welche die Bücher …. der Propheten lesen, um durch Furcht die Menschen vom Lesen abzuschrecken, damit sie nicht zur Kenntniß des Guten gelangen, und sie vielmehr in ihrer Sklaverei erhalten werden. – Doch dieses ist ihnen nicht gelungen; denn nicht allein wir lesen diese Bücher.., sondern bieten sie ebenfalls euch, wie ihr sehet, zur eignen Einsicht an. (Apolog. I. cap. 36)

Irenäus – Vom Wert des Bibellesens

Wenn schon hier auf der Welt vor unsern Füßen so vieles ist, was wir erfahren, was wir sehen, was uns umgiebt, und es doch nicht begreifen können; sondern Gott es anheim stellen, der mehr wissen muß, als wir … was kann es uns schaden, daß, da die heiligen Schriften um so mehr geistigen Inhalts sind, sie manches enthalten, wovon wir zwar einiges mit Gottes Beistand fassen, anderes jedoch ihm anheim stellen, nicht allein in dieser, sondern auch in der künftigen Welt, so daß Gott immer lehrt, der Mensch stets lernt, was Gott ist. (lib. 2. adv. haeres. Valent. c. 47.)

Johann Albrecht Bengel – Regel für Schriftforscher

Was Gott uns vorlegt, das sollen wir ohne Ausnahme anhören; und was uns nicht eröffnet ist, das sollen wir demütig auf sich beruhen lassen. Also gehet man fein sicher einher zwischen dem Fürwitz und der Verschmähung, da die Menschen sonst das eine mal zu nachlässig sind, und manche gute Lehre von sich abweisen, das andere mal aber der eigenwilligen Begierde, alles zu wissen, nachhängen.

Moody, Dwight Lyman – Die rechte Wahl beim Bibellesen.

Wenn du bei der Familienandacht oder zu deiner privaten Erbauung in der Bibel liesest, so wähle passende Abschnitte. Was würdest Du von einem Prediger halten, der auf die Kanzel stiege, die Bibel aufs Geratewohl öffnete und zu lesen anfinge? So machen es aber die meisten Menschen bei der Hausandacht. Sie könnten in Krankheitsfällen ebensogut in die Apotheke laufen und die erste beste Medizin hinunterschlucken, die sie gerade sehen. Die Kinder würden viel mehr Aufmerksamkeit bei der Andacht beweisen, wenn der Vater sich Zeit nähme, den besonderen Verhältnissen entsprechende Abschnitte zu wählen.

Der Weg zum Glück
Ein Hausbuch für die christliche Familie
von Pfarrer Gustav Hofelich
C. Rieger’sche Verlagsanstalt. Stuttgart – München

Augustinus – Ich bitte euch, lernet die heil Schrift,

Ich bitte euch, lernet die heil Schrift, leset sie oft, weil sie süßer ist, als aller Honig stärker als Wein; gelinder, als Öl, kostbarer, als Gold; reiner, als Silber. Vor allem beruft sie sich auf Gott und ladet zur Liebe Gottes ein, erleuchtet die Herzen, reinigt die Zunge, prüft das Gewissen, heiligt die Seele, stärkt den Glauben, vertreibt den Teufel, verachtet die Sünden, erwärmt die kalten Seelen, zeigt das Licht der Erkenntniß, treibt die Finsterniß der Unwissenheit aus, vernichtet die weltliche Traurigkeit, zündet die Freude im heil. Geiste an,. gibt den Durstigen zu trinken.

Martin Luther – Bibelinschrift

Forschet ynn der schrifft Denn yhr haltet, das yhr das ewige Leben drinnen habt. Vnd sie ists, die von mir zeuget.

Die Juden hatten darin recht, das sie ynn der schrifft das ewige leben Zu haben meineten, denn dasselbige ist war, Es ist das wort des Lebens. Aber, das Christus solts sein solche lebe vnd die schrifft von yhm Zuuerstehen sey das wolten sie nicht, vnd wollens noch heutiges tages nicht. Suchen ein anders Drinnen, das sie sol lebendig vnd selig machen, Da wird nicht aus Es Heißt Sie ists die von, MIR, zeuget Ich bin dasselbige ewige leben das man ynn der schrifft hat vnd findet Außr mir findet man das leben nicht drinnen sondern den ewigen tod.

1545

Martinus Luther D.