„Ich bitte Euch, was ist das, dass ihr von Morgen bis Abend prozessieren und Prozessierende hören müsst? Haltet mir ja nicht etwa die Worte des Apostels entgegen: denn wiewohl ich frei bin von Jedermann, habe ich doch mich selbst Jedermann zum Knecht gemacht. (1 Kor. 9, 19.). Machte er sich wohl je zum Knechte der Menschen, um auf solche Weise zu dienen ihrer Gewinnsucht? Die Männer, welchen Christus das Leben, der Tod ein Gewinn war, sie machten sich zu Knechten, um Menschen für Christum zu gewinnen, nicht um den Gewinn der Habsucht zu vermehren. Was ist knechtischer, was ist unanständiger zumal für einen Papst, als dass Ihr nicht bloß an jedem Tage, sondern zu jeder Stunde in solchen Dingen und für solche Menschen arbeitet? Wann beten wir? Wann sorgen wir für den Unterricht der Gemeinde, für die Erbauung der Christen? Ihr mögt selbst wohl zusehen. Über das Irdische zu richten sind Könige und Fürsten eingesetzt; warum greift Ihr also in die Grenzen einer fremden Gewalt ein? Wie lange werdet Ihr noch je das Murren der ganzen Welt nicht achten, oder nicht vernehmen? Ihr, die Ihr zu Hirten der Seelen bestimmt seid, geht einher bedeckt mit Gold in mannigfaltiger Kleiderpracht, und was er halten Eure Herden? Das passt mehr, möchte ich sagen, wenn ich es wagte, für einen Hirten von Teufeln, als von Schafen. Ihr steht an Petri Stelle; von ihm aber liest man nirgends, dass er je einhergezogen mit Edelsteinen und Seide geschmückt, mit Gold bedeckt, auf einem weißen Pferde, von Soldaten umgeben und von lärmenden Dienern. Darin seid ihr nicht dem Apostel Petrus, sondern dem Kaiser Constantinus nachgefolgt. Der Papst sei das Muster der Frömmigkeit, der Lehrer der Völker, der Verteidiger des Glaubens, die Zuflucht der Unterdrückten, die Hoffnung der Unglücklichen, der Schrecken der Tyrannen, der Vater der Könige, der Erhalter der Gesetze, der Verwalter der kirchlichen Ämter.“
„Kein Gift, kein Schwert fürchte ich mehr für Dich als die Herrschsucht. Versuche es einmal, beides miteinander zu verbinden: als Herrscher Nachfolger des Apostels zu sein, oder als Nachfolger des Apostels herrschen zu wollen. Das Eine, oder das Andere musst Du fahren lassen. Wenn Du beides zugleich haben willst, wirst Du beides verlieren.“