Nikolaus von Zinzendorf – Begnadigung

In der ersten Bewegung (der Begnadigung) glaubt man über Alles weg zu sein; man fühlt sein Elend nicht; man ist so voll Trost, Seligkeit und Freude, dass man ganz betrübt wird, davon reden zu hören, was man in den folgenden Tagen nur zu viel erfährt, nämlich, dass man eine menschliche schwache Seele bleibt, die zu Allem fähig ist, und die nur ein einziges Mittel und Arznei hat, sich zu erhalten. Und dieses Mittel geht über alle Vernunft, und besteht in einer innigen, täglichen Vereinigung mit Jesus, und in dem Kontrakt mit dem heiligen Geist, den er uns treulich hält, uns vor der geringsten Gefahr und der ersten Regung unserer Natur zu warnen, und dass wir uns, ohne zu bedenken, was es ist, gleich in die Arme unsers Heilandes werfen und zu Ihm sagen wollen: Nimm mich in Schutz, da ist ein Gespenst, etwas, das mir Böses tun will, ein Anfang von meinem ehemaligen Zustand. Ich habe kein Vertrauen in mir selbst; ich fürchte mich, selber nachzusehen, was es ist. Lass doch nicht zu, dass sich das Geringste an mich mache, denn ich bin dein, ich bin dein Blutgewinn.