Nikolaus von Zinzendorf – Ein Geist sein

Das Vergeben und Erretten von der Sünde sind zwei Dinge. Man hat nicht zu fürchten, dass es ihm zu viel wird, Er vergibt reichlich und täglich. David sagte schon zu seiner Zeit: es sei bei Ihm viel Vergebung: es ist ein unerschöpflicher Born dagegen alles Böse und Ungerechte. Man kann sich immer wieder erquicken, wenn man auch noch so ein armes, verlegenes Kreatürchen ist, und man darf sich nicht tot kümmern. Wie man aber vom Elend los wird, dass es nicht wieder kommt, wie man das hohe Gut seiner Beilage behütet, dass nichts davon wegkommt, das ist eine andere Frage und nichts so leicht beantwortet. Man kann nicht so leicht dafür stehen, als für Sein Vergeben. Da kommt es auch auf uns mit an. Wir müssen Ein Geist mit Ihm geworden sein, und nicht nur beten und singen, sondern auch wachen und aufmerksam sein auf Seele und Leib. Wenn es nicht mit uns gehen will, so fehlt es am Wachen, dass wir uns den ersten Regungen nicht entgegensetzen, und nicht alle Tage darauf acht haben, was aufgesucht und weggeschafft werden sollte, damit sich nichts zusammen mache.