Spurgeon, Charles Haddon – Der Herr wirds für euch vollführen

Der Herr wird’s für euch vollführen

Ps. 138.8. Er, der das Werk angefangen hat, das in meiner Seele vor sich geht, wird es auch durchführen. Der Herr bekümmert sich um alles, was mich bekümmert. Über alles, was jetzt gut ist, aber nicht vollkommen ist, will der Herr wachen, es bewahren und zur Vollkommenheit führen. Welch ein Trost! Ich könnte das Werk der Gnade nicht selbst vollenden. Des bin ich ganz gewiss, denn ich fehle jeden Tag und habe es nur deshalb so lange fortgesetzt, weil der Herr mir geholfen hat. Wenn der Herr mich verließe, so wäre alle meine frühere Erfahrung nichts wert, und ich würde umkommen auf dem Weg. Aber der Herr will fortfahren, mich zu segnen. Er wird meinen Glauben, meine Liebe, meinen Charakter, mein Lebenswerk vollenden. Er will dies tun, weil er ein Werk in mir begonnen hat. Er legte die Sehnsucht in mein Herz, und bis zu einem bestimmten Grad hat er mein Sehnen schon erfüllt. Erlässt niemals ein Werk unvollendet;: dies würde nicht zu seiner Ehre gereichen, und würde ihm nicht ähnlich sehen. Er weiß seine Gnadenabsicht auszuführen, und obwohl meine eigene böse Natur, die Welt und der Teufel sich dazu verschworen haben, ihn zu hindern, so zweifle ich doch nicht an seiner Verheißung. Er will sein Werk in mir vollenden, und ich werde ihn ewiglich loben. Herr, lass dein Gnadenwerk in mir heute einigen Fortschritt machen!

Philipp Matthäus Hahn – Hören und Tun

Hören und Tun

Die ersten Regungen des ewigen Lebens empfangen wir durchs Gehör oder durchs Lesen, durchs Betrachten und Nachdenken der geoffenbarten Liebe Gottes; durchs Tun aber wird das ewige Leben in unserm Fleisch erst lebend gemacht.

Die ersten Strahlen der Gnade sind vergänglich und vorübergehend, wenn man sie nicht durch Treue und Verleugnung der Trägheit seines Fleisches in das Tun einführt. Der Tod ist eine Trennung des Fleischeswillens von dem Geisteswillen, da das Fleisch dem Geist nicht untertan sein will; das ewige Leben ist aber das Gegenteil, wenn nämlich der äußerliche Mensch mit seinen Gliedern, Kräften und Willen dem Geisteswillen untertan wird. Durch oft wiederholtes Tun müssen wir das Tun lernen und anfangs uns oft zwingen, bis uns zur Natur und Gewohnheit werde, nach dem Bilde Gottes zu wandeln und an dem Nächsten in allen Umständen seinem Bedürfnis nach zu handeln wie der Samariter. Da ist das ewige Leben alsdann herrschend in uns. Der Same Gottes, der neue Mensch, aus Gott geboren, hat einen unverweslichen Leib und Bestandwesen aus den unser Fleisch durchscheinenden Lichtskräften Gottes erlangt, so dass den aus dem göttlichen Samen des Wortes mitten im Fleisch aufgewachsenen neuen Menschen kein Tod töten und keine Hölle auflösen kann.

Johannes Gommel – Er ists, der helfen kann

Er ist’s der helfen kann

Ruht nicht im Gebet Tag und Nacht, bis der Herr euer ein und alles geworden ist, bis dass ihr ausgegangen seid von allem, dass euch gar nichts mehr halten und fesseln kann, dass ihr ungehindert hindurchdringen könnt und dass nur sein Bild euch vor Augen ist; denn ohne den Heiland ist man auch im Himmel nicht befriedigt. Jede Seele sehnt sich dort, ihn zu schauen, jede Seele möchte das vollkommene Glück. Man findet’s auch in ihm, man braucht keine Kreatur; wenn man den Herrn hat, ist man glücklich. Und wenn ihr auch keinen Menschen auf Erden hättet, aber den Heiland, und euer ganzes Sehnen nach ihm geht, so könnt ihr dennoch glücklich und zufrieden sein. Er allein ist’s, der den Himmel öffnen und zuschließen kann, kein Mensch auf Erden. Darum freuet euch, wenn ihr den Heiland habt, freuet euch! Wenn ihr bei ihm seid, dann mag es kommen, wie es will. Der Herr hat alles in den Händen, er ist mächtig und wird alles wohl machen und herrlich hinausführen.

Seid zufrieden, wenn der Herr hier noch alles anwendet, um eure Seelen ihm nahezubringen und euch in der Gnadenzeit zuzubereiten auf seinem großen Tag.

Claudius, Matthias – Im Junius

Aber die Lenzgestalt der Natur ist doch wunderschön; wenn der Dornstrauch blüht und die Erde mit Gras und Blumen pranget! So ’n heller Dezembertag ist auch wohl schön und dankenswert, wenn Berg und Tal in Schnee gekleidet sind, und uns Boten in der Morgenstunde der Bart bereift; aber die Lenzgestalt der Natur ist boch wunderschön! Und der Wald hat Blätter, und der Vogel singt und die Saat schießt Ähren, und dort hängt die Wolke mit dem Bogen vom Himmel, und der fruchtbare Regen rauscht herab –

Wach auf mein Herz und singe
Dem Schöpfer aller Dinge rc.

’s ist, als ob Er vorüber wandle, und die Natur habe Sein Kommen von ferne gefühlt und stehe bescheiden am Weg‘ in ihrem Feierkleid, und frohlocke!

Claudius, Matthias – Polykarp

Es war ’nmal ein Polycarpus, der war ein Christ und zugleich Bischof von Smyrna, und den verfolgten deswegen die Heiden und schleppten ihn vor den Richter, dass er verbrannt würde, und der Richter tat ihm den unverschämten Antrag, dass er Christum lästern sollte. „Ich diene ihm nun sechsundachtzig Jahre“, antwortete Polycarpus, „und er hat mir kein Übels getan. Wie sollt‘ ich denn meinen Herrn und Heiland lästern?“ Indes war er’s gerne zufrieden, dass er verbrannt würde, und das geschah denn auch.

Was soll man daraus lernen? Antwort: Dass das eine gute Herrschaft sein muss, für die man nach sechsundachtzigjährigem Dienst noch gerne durchs Feuer gehen will.

Claudius, Matthias – Religion

Der Geist der Religion wohnt nicht in den Schalen der Dogmatik, hat sein Wesen nicht in den Kindern des Unglaubens, noch in den ungeratenen Söhnen und übertünchten Gräbern des Glaubens, lässt sich wenig durch üppige glänzende Vernunftsprünge erzwingen, noch durch steife Orthodoxie und Mönchswesen. Und, für Kinder, deren Herz durch die Religion gebessert werden soll, ist freilich der simpelste und kräftigste Ausdruck der beste. Wenn ich bei der Quelle stehe, warum soll ich nicht aus der Quelle trinken; so bin ich doch sicher vor dem Unrat am Eimer. Es ist Ehre für einen Mann und für ein Volk, wenn es strenge und eifrig für seine Religion ist, aber es ist doch auch Billigkeit, zu untersuchen ehe man eifert.

Butzer, Martin – Über den Tod Zwinglis

„Ich achte zwar das Schauspiel eines bewaffneten Bischofs nicht für so unwürdig, wenn der Krieg auf einen Befehl Gottes begonnen worden und es bis zum Äußersten gekommen ist. Ich glaube aber, diesmal hat der Willen des Herrn gefehlt. Die Waffen sollen das Letzte sein, wozu Christen ihre Zuflucht nehmen.“