Luther, Martin – Über die Geschichte Israels

Die Geschichten des Volkes Gottes sind von den Historien und Geschichten aller Heiden also fern zu scheiden, wie fern der Himmel vom Erdreich abgeschieden ist. In den Geschichten der Heiden mag man sehen die Größe oder Kleinheit der Werke; aber in dieser Geschichte ist das einige zu verwundern und zu ehren, nämlich das Wort Gottes, durch welches Leitung und Willen alle Dinge vollendet werden und geschehen. Darum sie auch mit Recht heilige Historien genannt werden, nicht dass sie von heiligen Menschen geschehen, sondern dass sie nach dem heiligen Wort Gottes, welches alle Dinge heilig macht, und durch seinen heiligen Namen, und anstatt Gottes vollbracht werden.

Luther, Martin – Staunen über Gott

Dies ist die unbegreifliche und unendliche Barmherzigkeit Gottes, welche Paulus gerne mit überfließenden und reichlichen Worten vorstellen wollte; aber das menschliche Herz kann diese unergründliche Tiefe und den brennenden Eifer der göttlichen Liebe nicht begreifen, viel weniger aussprechen. Ja, die Größe der göttlichen Barmherzigkeit macht, dass wir nicht allein schwer, sondern auch fast gar nicht glauben können; denn ich höre nicht allein, dass der allmächtige Gott und Schöpfer aller Dinge gütig und barmherzig sei, sondern auch, dass die hohe Majestät um mich verlorenen Sünder, um mich, als ein Kind des Zorns und der ewigen Verdammnis, so besorgt gewesen ist, dass sie ihres eigenen Sohnes nicht verschont hat, sondern Ihn in den schmählichsten Tod gegeben, dass Er zwischen zwei Mördern am Kreuze hängend, für mich Verworfenen, ein Sünder und ein Fluch geworden ist, damit ich gesegnet, d. i. gerecht, und ein Kind Gottes würde. Wer ist im Stande diese Güte Gottes genug auszusprechen, selbst die Engel vermögen es nicht?

Samuel Hebich – Über gute Vorsätze

„Das ist lauter dummes Zeug. Ich gebe gar nichts um deine guten Vorsätze, damit kommst du nicht vorwärts, sondern rückwärts. Lasse dich vom Heiland ganz vernichten und zermalmen, gib dein eigenes „Ich,“ dieses verwünschte „Ich“ willig auf und lege dich ganz willenlos dem Heiland hin, dass Er mit dir und an dir tun kann, was Ihm wohlgefällt.“

Kardinal Contarini – Rechtfertigung

„Ich halte dafür, dass man nach der Lehre Christi und der heiligen Schrift nur behaupten darf, dass wir allein uns auf die uns aus Gnade geschenkte Gerechtigkeit Christi und nicht auf die eigene Gerechtigkeit und Heiligkeit verlassen dürfen. Denn diese unsere Gerechtigkeit ist unvollkommen und mangelhaft und vermag uns nicht vor täglich sich wiederholenden Sünden zu bewahren; daher wir auch täglich bitten müssen: „Vergib uns unsere Sünden.“ Die uns geschenkte Gerechtigkeit Christi ist allein eine wahre und vollkommene, in der wir allein vor Gott bestehen können. Auf diese müssen wir uns daher allein als auf eine feste und unbewegliche Säule stützen und um ihretwillen allein dürfen wir zuversichtlich glauben, vor Gott gerechtfertigt zu werden. Diese ist jener köstliche Schatz der Christen, um dessentwillen der, der ihn findet, Alles verkauft, um sich ihn zu erwerben. Sie ist die köstliche Perle, für die Einer Alles hingibt, nachdem er sie gefunden. So schreibt der Apostel Paulus Philipp. 3,8.9: „Ich achte Alles für Schaden und für Unrat, auf dass ich Christum gewinne und in ihm erfunden werde; dass ich nicht habe meine Gerechtigkeit, die aus dem Gesetze, sondern die aus dem Glauben an Christum kommt, nämlich die von Gott dem Glauben zugerechnet wird.“ Denjenigen aber, die sich auf ihre eigene Gerechtigkeit und Heiligkeit stützen, wird in der Offenbarung (3,16) gesagt: „Weil du aber lau bist, und weder kalt, noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde. Du sprichst: „Ich bin reich, und habe gar satt, und bedarf nichts; und weist nicht, dass du elend bist und jämmerlich, arm, blind und bloß. Ich rate dir, dass du Gold kaufest, das mit Feuer durchläutert ist, dass du reich werdest; und weiße Kleider, dass du dich bekleidest, und nicht offenbar werde die Schande deiner Blöße; und salbe Seine Augen mit Augensalbe, dass du sehen mögest.“ Und an einer anderen Stelle (2,17): „Ich werde dir geben einen neuen Losstein, in welchem ein neuer Name eingeschrieben steht, den Niemand kennt, als wer ihn empfängt. Das ist der Name Christi, den wahrlich Niemand kennt, als wer ihn empfängt. -„

Martin Luther – Dies Leben

Dies Leben ist nicht ein Leben, sondern eine Mordgrube, dem Teufel unterworfen; wenn wir nun auf Erden leben wollen und müssen, so müssen wir uns auch des erwägen, dass wir Gäste sind, und in solcher Herberge liegen, da der Wirt ein Schalkwirt ist, und sein Haus hat das Malzeichen oder Schild über der Tür: Zum Mord und zur Lügen; denn solch Zeichen und Wappen hat ihm Christus selbst an seine Türe und an sein Haus gehängt.

Samuel Zeller – Das Erkennungszeichen der Christen

Was ist unser Erkennungszeichen

Nicht allerlei Wunder, nicht außerordentlich Erfahrungen, nicht himmlische Gefühle, nicht besondere Taten! Ein Zeichen, eine Erfahrung: nämlich dass das Feuer vom Himmel in uns verzehrt, was nicht von ihm ist, was nicht zu ihm führt und was die Verbindung mit ihm stört, alles Sündige, in welcher Gestalt es auch sei, in welcher Form es auch auftrete, ob grob oder fein. Und dabei handelt es sich nicht darum, ob jetzt in diesem Augenblick schon alles verzehrt sei, aber darum, ob wir wirklich bereit seien, alles Sündige verzehren zu lassen.