Johann Albrecht Bengel – Wachet!

Sehr nötig ist, nebst eigener wahrer Herzensverfassung im Glauben, die Aufmerksamkeit auf das, was in der göttlichen Ökonomie laut des prophetischen Wortes im Bösen und Guten geschieht und geschehen wird: die Verwahrung sein selbst vor eigenen scheinbaren Einfällen; eine Ausleerung von allen fremden hie und da aufgefangenen Eindrücken, eine sorgfältige Prüfung der Handlungen und Meinungen geistlich ansehnlicher Leute; und über das Alles ein einfältiges Halten an dem, was geschrieben steht, ein eifriges Gebet, und eine unparteiische Gemeinschaft mit allen Gottesfürchtigen, dass man sich in keine Gesellschaft zu genau einlasse, und einzelne gute Seelen in ihrem Teil gleichmäßig prüfe und schätze.

Der Tod des Christen

„Der Tod des Christen“, sagt Scriver, „sieht wohl äußerlich, in dem was vor Menschenaugen ist, dem Tode des Unchristen ähnlich, bringt wohl gleiche Schmerzen, gleiches Abscheiden von der Welt, gleiches Aufhören der Zeit und alles Sichtbaren, gleiches Verwesen des Leibes mit sich für den einen wie für den andern, aber innerlich, geistig, unsichtbar ist zwischen Beiden ein solcher Unterschied wie zwischen Himmel und Hölle. Denn der Christ sieht vom Glanz des Herrn umleuchtet den Tod nicht, geht durch Sterben hinüber zum Leben, aber der Gottlose, von Finsternis umgeben, sieht, schmeckt, fühlt den Tod ewiglich, denn der zeitliche und der ewige Tod ist bei ihm eins und dasselbe. Der Christ gleicht in seinem Sterben einer edeln Pflanze, die der Gärtner aushebt und in ein besseres Land versetzt, an der über dem Versetzen die äußern Blätter trauern und welk werden, aber das Herzblättlein bleibt frisch und grün und treibt ein größeres, schöneres Gewächs der Gottlose gleicht in seinem Sterben einem dürren Ast, der abgehauen und ins Feuer geworfen wird.“