Jean Paul – Erinnerung an Gottes Wirken

Er hat so gedacht: Jetzt solang ich frisch und gesund bin, hellen Geists und warmen Herzens, will ich die besten Gedanken, die mir kommen, die seligsten Erfahrungen, die ich machen darf, die schönsten Stunden, die ich verleben darf, aufschreiben so gut ich kann; und dann wann ich einmal müd und matt, krank und elend bin an Geist und Leib, wann meine letzten Tage und Stunden kommen und ich nicht mehr in meinen Gedanken mich aufschwingen kann zu Gott, dann will ich mir dieses Büchlein wieder vorlesen lassen; vielleicht ich kann mich dann selber trösten mit dem, was ich einst in besseren Stunden mit frischer Seele und freudigem Geiste gefühlt, gedacht, erfahren, erlebt und niedergeschrieben habe.

Jean Paul Fr. Richter, „Erinnerungen aus den schönsten Stunden für die letzten.“

Luther, Martin – Auferstehung

„So ist denn die eine Hälfte schon geschehen, ja weit über die Hälfte, nämlich dass wir geistlich schon auferstanden sind, nach dem besten Stück an uns, also die Seele ihr Teil hinweg hat, und mit Christo im Himmel ist, und nur noch die Hülse und Schale hienieden bleibt, aber um des Hauptstücks willen auch hinnach fahren muss. Denn weil die Seele durch den Glauben bereits im neuen himmlischen Leben ist, und nicht sterben noch begraben werden kann, so haben wir nicht mehr zu warten, denn dass diese arme Hülle auch neu werde, weil das Beste droben ist, und das Andere nicht hinter sich lassen kann“

Claudius von Turin – Über das Papsttum

Er sagt, nicht derjenige sei ein Apostolischer Herr zu nennen, welcher bloß auf dem Apostolischen Stuhle sitze, sondern nur der, welcher auch die Pflichten eines Apostels Christi gewissenhaft erfülle; von dem Ersteren gelte das Wort des Herrn (Matth. 23, 2): Auf dem Stuhle Mosis sitzen die Schriftgelehrten und Pharisäer. Da, wo er vom Wallfahrten spricht, erklärt er geradezu: „Wir wissen, dass dieser Missbrauch seinen Ursprung hat in den unverstandenen Worten des Erlösers, da er zu Petrus sprach (Matth. 16, 18): Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und dir übergebe ich die Schlüssel des Himmelreichs. Darum wollen die Törichten, unbekümmert um alle geistige tiefere Einsicht, nach Rom reisen!“

„Meinen Nachbarn, bin ich ein Ärgernis geworden und meinen Bekannten ein Schrecken, so sehr, dass, wer mich sieht, mich nicht allein verhöhnt, sondern Alle mit Fingern auf mich zeigen. Der Vater des Erbarmens und des Trostes aber hat mich gestärkt in meiner Not, und durch ihn werde ich fortbestehen in aller Anfechtung, angetan mit den Waffen der Gerechtigkeit und geschützt durch den Helm des Heiles.“

Claudius von Turin – Heiligenverehrung

„Wenn diejenigen, welche den Götzendienst verlassen haben, die Bilder der Heiligen verehren, so haben sie nicht die Götzen verlassen, sondern den Namen verändert.“

„Wer nicht denselben Glauben und dieselbe Tugend an den Tag legt, welche die Heiligen bewiesen haben und wodurch sie allein Gott wohlgefielen, der kann nicht selig werden.“

„Durch das Heil eines Andern wird keinem das seine zu Teil, so wenig, als durch die Klugheit, oder den Mut, oder die Mäßigkeit eines Anderen wir unmittelbar klug, tapfer oder mäßig werden können.“

„Unsere Religion soll nicht in Verehrung toter Menschen bestehen, welche, wenn sie fromm gelebt, nicht nach solcher Ehre verlangt haben; durch Nachahmung sollen wir sie ehren, keineswegs aber sie zu Gegenständen unserer Anbetung machen.“

„Warum beugst du deinen unfreien Körper vor sinnloser irdischer Menschenarbeit? Siehe, Gott hat dich aufrecht erschaffen und während die übrigen lebenden Wesen zur Erde sich neigen, gehst du erhaben, und dein Antlitz erhebt sich zum Himmel und zu Gott. Da blicke hin, dahin hebe dein Auge empor, suche Gott in den Höhen, damit du die niedrigen Erdendinge entbehren lernst. So bewahrst du dir deinen ursprünglichen Adel, und du bleibst so, wie der Herr dich geschaffen hat.“ –

„Wenn man jedes Holz in der Form eines Kreuzes anbeten will, weil Christus am Kreuze gehangen, so muss man auch vieles Andere anbeten, womit er, im Fleische lebend, in Berührung gekommen. So muss man auch alle Jungfrauen anbeten, weil eine Jungfrau ihn geboren; so muss man auch die Krippen anbeten, weil er in eine Krippe gelegt worden; so muss man auch die Esel anbeten, weil Jesus auf einem solchen gesessen, und die Schiffe, weil er oft von ihnen aus zu dem Volke sprach. Gott hat geboten, das Kreuz zu tragen, nicht es anzubeten; sie wollen es anbeten, indem sie es weder auf geistige, noch leibliche Weise tragen wollen.“

„Ihr Blinden, kehrt zum wahren Lichte zurück, welches Licht in der Finsternis leuchtet, und die Finsternis begreift es nicht; die ihr, jenes Licht nicht erblickend, in der Finsternis wandelt und nicht wisst, wohin ihr geht, weil die Finsternis eure Augen verblendet hat!“

Agobard über die Heiligenverehrung (gegen 850)

„Gott allein muss angebetet und verehrt werden von den Gläubigen; ihm allein muss das Opfer eines gedemütigten und zerknirschten Herzens dargebracht werden; Engel, oder heilige Menschen mögen geliebt, geehrt, aber nicht verehrt werden. Nicht auf Menschen, sondern auf Gott allein müssen wir unsere Hoffnung sehen, damit uns nicht jenes prophetische Wort treffe: Verflucht ist der Mann, der sich auf Menschen verlässt.“

Bernhard von Clairvaux an Papst Eugen III.

„Ich bitte Euch, was ist das, dass ihr von Morgen bis Abend prozessieren und Prozessierende hören müsst? Haltet mir ja nicht etwa die Worte des Apostels entgegen: denn wiewohl ich frei bin von Jedermann, habe ich doch mich selbst Jedermann zum Knecht gemacht. (1 Kor. 9, 19.). Machte er sich wohl je zum Knechte der Menschen, um auf solche Weise zu dienen ihrer Gewinnsucht? Die Männer, welchen Christus das Leben, der Tod ein Gewinn war, sie machten sich zu Knechten, um Menschen für Christum zu gewinnen, nicht um den Gewinn der Habsucht zu vermehren. Was ist knechtischer, was ist unanständiger zumal für einen Papst, als dass Ihr nicht bloß an jedem Tage, sondern zu jeder Stunde in solchen Dingen und für solche Menschen arbeitet? Wann beten wir? Wann sorgen wir für den Unterricht der Gemeinde, für die Erbauung der Christen? Ihr mögt selbst wohl zusehen. Über das Irdische zu richten sind Könige und Fürsten eingesetzt; warum greift Ihr also in die Grenzen einer fremden Gewalt ein? Wie lange werdet Ihr noch je das Murren der ganzen Welt nicht achten, oder nicht vernehmen? Ihr, die Ihr zu Hirten der Seelen bestimmt seid, geht einher bedeckt mit Gold in mannigfaltiger Kleiderpracht, und was er halten Eure Herden? Das passt mehr, möchte ich sagen, wenn ich es wagte, für einen Hirten von Teufeln, als von Schafen. Ihr steht an Petri Stelle; von ihm aber liest man nirgends, dass er je einhergezogen mit Edelsteinen und Seide geschmückt, mit Gold bedeckt, auf einem weißen Pferde, von Soldaten umgeben und von lärmenden Dienern. Darin seid ihr nicht dem Apostel Petrus, sondern dem Kaiser Constantinus nachgefolgt. Der Papst sei das Muster der Frömmigkeit, der Lehrer der Völker, der Verteidiger des Glaubens, die Zuflucht der Unterdrückten, die Hoffnung der Unglücklichen, der Schrecken der Tyrannen, der Vater der Könige, der Erhalter der Gesetze, der Verwalter der kirchlichen Ämter.“

„Kein Gift, kein Schwert fürchte ich mehr für Dich als die Herrschsucht. Versuche es einmal, beides miteinander zu verbinden: als Herrscher Nachfolger des Apostels zu sein, oder als Nachfolger des Apostels herrschen zu wollen. Das Eine, oder das Andere musst Du fahren lassen. Wenn Du beides zugleich haben willst, wirst Du beides verlieren.“

Origenes – Aus der Apotheke Gottes

Wie wenn jemand dürre Kräuter, die weder Geruch noch Farbe haben, in einem Arzneiladen vorfindet, wie gering auch ihr äußeres Aussehen sei, dennoch wird er vermuten, dass ein Vorzug und eine Heilkraft in ihnen verborgen sei. So dürfen auch wir, wehn im Arzneiladen der heiligen Schrift etwas vorkommt, was uns auf den ersten Blick geringfügig erscheint, dennoch sicher annehmen, dass darin ein geistlicher Nutzen verborgen sei, weil von Christo, dem Seelenarzte, anzunehmen ist, dass er nichts. Müßiges oder Unnützes in seine Officin gelegt habe.

Thomas Brooks – Klagen und Murren

Cäsar hatte einst für seine Edlen und Freunde ein großes Fest bereitet; aber der dazu bestimm-te Tag brachte so ungünstige Witterung, dass zu Ehren der Versammelten nichts geschehen konnte. Cäsar war darüber so ungehalten und erzürnt, dass er alle, die ihre Bogen bei sich führten, aufforderte, ihre Pfeile auf Jupiter, ihren höchsten Gott, abzuschießen, und sich so für das regnerische Wetter zu rächen. Sie taten es, aber ihre Pfeile erreichten den Himmel nicht, sondern fielen auf ihre eigenen Häupter zurück, so dass viele von ihnen schwer verwundet wurden. So ist all unser Klagen und Murren gleich Pfeilen, die auf Gott abgeschossen werden; aber sie kehren auf unsere Häupter und Herzen zurück. Sie werden Ihn nicht erreichen und verwunden, aber sie werden uns verwunden und großen Schaden bringen. Darum ist es besser, still zu sein, als zu murren; es ist gefährlich, mit einem zu hadern, der ein verzehrendes Feuer ist. Hebr. 12,29.