Luther, Martin – Böse Gedanken

Wie man nicht wehren kann, daß einem die Vögel nicht über den Kopf herfliegen, aber wohl, daß sie nicht auf dem Kopfe nisten, so kann man auch bösen Gedanken nicht wehren, aber wohl, daß sie nicht in uns einwurzeln und böse Taten hervorbringen.

Der Weg zum Glück
Ein Hausbuch für die christliche Familie
von Pfarrer Gustav Hofelich
C. Rieger’sche Verlagsanstalt. Stuttgart – München

Luther, Martin – Das Erste und das Letzte

Es ist gut, daß man frühmorgens lasse das Gebet das erste und des Abends das letzte Werk sein, und hüte sich mit Fleiß vor diesen falschen und betrügerischen Gedanken, die da sagen: harre ein wenig, über eine Stunde will ich beten, ich muß dies oder das zuvor verfertigen; denn mit solchen Gedanken kommt man dem Gebet in die Geschäfte; die halten und umfangen dann einen, daß aus dem Gebet des Tags nichts wird.

Der Weg zum Glück
Ein Hausbuch für die christliche Familie
von Pfarrer Gustav Hofelich
C. Rieger’sche Verlagsanstalt. Stuttgart – München

Luther, Martin – Vielseitigkeit der Bibel

Die Heilige Schrift ist wie ein sehr großer, weiter Wald, darinnen viel und allerlei Bäume stehen, davon man mancherlei Obst und Früchte abbrechen kann. Denn man hat in der Bibel reichen Trost, Lehre, Unterricht, Vermahnung, Warnung, Drohung usw. Es ist kein Baum in diesem Walde, daran ich nicht geklopft und ein paar Äpfel oder Birnen gebrochen und abgeschüttelt habe.

Der Weg zum Glück
Ein Hausbuch für die christliche Familie
von Pfarrer Gustav Hofelich
C. Rieger’sche Verlagsanstalt. Stuttgart – München

Luther, Martin – Was heißt: an Christus glauben?

An Christus glauben, heißt nicht (glauben), daß Christus eine Person ist, die Gott und Mensch ist; denn das hülfe niemand nichts; sondern daß dieselbige Person Christus sei, das ist, daß er um unsertwillen von Gott ausgegangen und in die Welt gekommen ist, und wiederum die Welt verläßt und zum Vater geht. Das bedeutet: Das ist Christus, daß er für uns Mensch geworden und gestorben, auferstanden und gen Himmel gefahren ist; von solchem Amt heißt er Jesus Christus; und solches von ihm glauben, daß wahr sei, das heißt in seinem Namen sein und bleiben.

 

Der Weg zum Glück
Ein Hausbuch für die christliche Familie
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Luther, Martin – Warum wir an Gott glauben

Kein Mensch empfindet die Gewalt Gottes kräftiger über sich, als wenn er die Jahre seines vergangenen Lebens betrachtet. Denn hier erkennt der Mensch, wie oftmals er vieles getan und gelitten hat ohne sein Bemühen, seine Fürsorge, ja ohne und gegen seinen Wunsch, Dinge, die er, ehe sie geschahen oder noch während sie geschahen, so wenig beabsichtigte, daß er erst, wenn sie vollendet waren, verwundert ausrufen mußte: „Wohin ist mir das geraten, daran ich nicht dachte, oder wo ich an ganz anderes dachte!“ Hier erweist sich die Wahrheit des Sprichwortes: „Der Mensch denkt und Gott lenkt“, d. h. Gott macht, daß es ins Gegenteil ausschlägt, und bewirkt, daß es ganz anders kommt, als der Mensch dachte. So können wir schon an diesem einen Punkte nicht leugnen, daß unser Leben und unsere Handlungen nicht von unserer Klugheit, sondern durch Gottes wunderbare Macht, Willen und Güte gelenkt worden sind. Und hier wird erkannt, wie gar oft Gott bei uns gewesen ist, da wir’s doch weder gesehen noch empfunden haben, wie Petrus sagt: „Er sorgt für uns.“

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von Pfarrer Gustav Hofelich
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Luther, Martin – Was der Glaube in uns wirkt

Der Glaube ist ein göttlich Werk in uns, das uns wandelt und neu gebieret aus Gott (Joh. 1,13) und tötet den alten Adam, macht aus uns ganz andere Menschen, von Herzen, Mut, Sinn und allen Kräften und bringt den heiligen Geist mit sich. Es ist ein lebendig, geschäftig, mächtig Ding um den Glauben, daß es unmöglich ist, daß er nicht ohne Unterlaß sollte Gutes wirken. Er fragt auch nicht, ob gute Werke da sind; sondern ehe man fragt, hat er sie getan und ist immer im Tun. Wer aber nicht solche Werke tut, der ist ein glaubloser Mensch, tappet und siehet um sich nach dem Glauben und guten Werken und weiß weder was Glaube noch gute Werke sind.

Der Weg zum Glück
Ein Hausbuch für die christliche Familie
von Pfarrer Gustav Hofelich
C. Rieger’sche Verlagsanstalt. Stuttgart – München

Martin Luther – Über Joh. 14,6

Die Wege, die außer Christo sind, darauf man zum Vater kommen oder zur göttlichen Majestät hinaufsteigen wollte, das sind lauter jähe Oerter, auf welchen Niemand wohl stehen kann, sondern bald herunter fallen muß. Wer aber Christum, den Weg, die Wahrheit und das Leben, also erkannt und in sein Herz gepräget hat, der kann hernach sicher zum Vater aufsteigen und mit ihm zu thun haben. Denn wenn es betrifft den großen Sprung in’s ewige Leben, durch Sünd und Tod, Teufel und Hölle, zur ewigen Gerechtigkeit, das ist, zu Gott, Leben und Himmmel kommt, da gehört dieser Text her, der uns lehre, daß kein anderer Weg noch Steg, Brücke, Pfort und Ueberfahrt sei, denn dieser einige Christus.

Es ist die Summe dieses Spruchs auf’s Einfältigste gesagt, so viel als: Ergreife durch den Glauben Jesum Christum, so bist du auf dem rechten Wege; folge ihm nach in der Liebe, so wird das Licht der Wahrheit dir immer heller aufgehen; harre aus bei ihm in der Hoffnung auf seine Verheißung, so bist du selig schon hier, denn du hast das wahre, ewige Leben.

Luther an seinen Beichtvater

„Viele denken, weil ich mich unterweilen in meinem äußerlichen Wandel frohlich stelle, ich gehe auf eitel Rosen; aber Gott weiß, wie es um mich steht meines Lebens halber Ich habe mir oft fürgenommen, ich wollte der Welt zu Dienst mich etwas ernstlicher und heiliger (weiß nicht, wie ich es nennen soll,) stellen: aber Gott hat mir solches zu thun nicht gegeben. Die Welt findet Gott Lob, kein Laster an mir, das sie mit Wahrheit mir konnte aufruckern,“

Luther – Siehe, wie tut ein Ackermann,

Siehe, wie tut ein Ackermann, der da säet auf dem Felde und das Korn dahin in die Erde wirft, dass es verfaulen und verderben muss, dass es scheint, als sei es gar verloren. Dennoch hat er keine Sorge dafür, als sei es umsonst; ja er vergisset, wo das Korn bleibt, fragt nichts danach, wie es ihm gehe, ob es die Würmer fressen oder sonst verderbe, sondern geht mit eitel solchen Gedanken davon, dass um die Ostern oder Pfingsten werden schöne Halme und Körner herauskommen und viel mehr Ähren und Körner tragen, denn er dahin geworfen hat. Da hast Du ein Bild und Gemälde, wie Gott die Toten auferwecken wird, und ist es bei ihm ebenso gewiss, als wäre es bereits geschehen und ausgerichtet.