Chrysostomus – Ich will etwas Seltsames sagen:

Ich will etwas Seltsames sagen: Man hat sich nicht mit so großem Fleiße vor den großen Sünden zu hüten, als vor den kleinen, denn jene schrecken uns durch ihre Scheußlichkeit selbst ab, diese aber, weil sie in unsern Augen gering sind und klein, machen uns nachlässig, und weil man sie verachtet, bemüht man sich nicht gar sehr, ihrer los zu werden.

Luther – Kein Ketzer läßt sich bereden

Kein Ketzer läßt sich bereden, daß er weiche von seinem gefaßten Wahn und Sinn, und gebe der Wahrheit göttlichen Worts die Ehre: Nein, sie sehen und hören nichts, wie Michel Stiefel, als er Anno 33 predigte, daß in demselbigen Jahre der jüngste Tag kommen sollte; der sah und hörte mich nicht. Es hat mir mein Leben lang kein Widersacher so böse Wort gegeben, als er.

Bernhardus

So große Fortschritte du auch bei Leibes Leben gemacht haben magst, du irrst, wenn du meinst, deine Sünden seien ausgestorben, und nicht vielmehr unterdrückt. Du magst wollen oder nicht, unter deinen Grenzen wohnt noch der Jebusiter; er kann wohl unterjocht, aber nicht ausgerottet werden. 1. Kön. 9, 20. 21. Ich weiß, spricht der Apostel, daß in mir nicht Gutes wohnet. Röm. v, 18. Das wäre zu wenig, wenn er nicht auch bekennete daß Böses in ihm sei. Entweder sstelle dich daher, wenn du es wagst, über den Apostel, oder bekenne mit ihm, daß es auch dir an Sünden nicht mangelt.

Luther – Die drei Stufen der Heilsordnung

Zuerst vor allen Wirken und Dingen hört man das Wort Gottes, darinnen der Geist die Welt um die Sünde strafet, Joh. 16, 9.
Wenn die Sünde erkennet ist, hört man von der Gnade Christi. Im selben Wort kommt der Geist und gibt den Glauben, wo und welchen er will.
Darnach geht an die Tödtung und das Kreuz, und die Werke der Liebe.
Wer dir eine andere Ordnung vorschlägt, da zweifle nicht, es sei der Teufel.