Tersteegen, Gerhard – Gott muß überall Meister bleiben

Tersteegen, Gerhard – Gott muß überall Meister bleiben

Daß Du durch Anfechtungen geübt worden bist, glaube ich Dir gerne. Ohne Proben und Übungen kommen wir nicht zum Ziel. Zwar kommt manches aus eigener Schuld. Gottes unendliche Güte in Christo aber trägt und hilft uns wieder mit wunderbarer und anbetungswürdiger Langmut. Wir könnten’s doch manchmal besser und näher haben, wenn wir fein bei der Herzenseinfalt bleiben und nicht aus guter Meinung zu früh groß und klug sein wollten. Die Absicht ist sicher gut: man will gern fortschreiten in seinem Christentum. Und in dieser Absicht forscht, liest, hört man allerhand, welches wir dann nicht alles fassen, miteinander reimen und verdauen können. Ich weiß, was ich in diesem Stück habe durchmachen müssen. Meine Seele dankt noch bis diese Stunde dem lieben Gott, daß er mich in meinen ersten Jahren vor allerhand Bekanntschaften und Gelegenheiten, so mancherlei zu hören und zu sehen, bewahrt hat.

Darum wundert’s mich nicht, daß Dir der Umgang mit Freunden hie und da keine Befestigung gebracht hat. . . So hab‘ ich’s auch so gern nicht gesehen, wann Du Dir viel und allerhand Arten geistlicher Bücher ausgesucht hast. Gar nicht, als ob ich etwas wider solche Bücher und Freunde hätte. Nur ist nicht alles, was in sich selber gut ist, darum auch für uns gut. Manche auch teure Wahrheit kann uns verwirren oder aufhalten, wann wir sie vor der Zeit wissen wollen (Joh. 16, 12). Gott muß überall Meister und wir seine Schüler bleiben, die sich fein bei der aufgegebenen Lektion halten.

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