Engels, Jakob Gerhard – Das Ziel der Heiligung

Engels, Jakob Gerhard – Das Ziel der Heiligung

Nach Gal. 4, 19 soll Christus eine Gestalt in uns gewinnen. Was heißt das? Es heißt: Wir sollen den alten Menschen mit seinen Werken ausziehen und sollen den neuen Menschen, sollen Christum anziehen; wir sollen christusähnlich werden. Es ist nicht genug, daß sich etwas Christliches an uns findet, daß wir christliche Worte reden, je und dann christliche Gefühle und Empfindungen haben, zuweilen ein christliches Werk tun, sondern Christus soll in uns wohnen, soll aus uns heraus reden und handeln. Sein göttliches Leben soll an uns zu sehen sein, so daß, in ähnlicher Weise, wie der Heiland zu Philippus sagt: „Wer Mich siehet, der siehet den Vater“, es von uns heißen kann: Wer sie siehet, der siehet ihren Meister; sie sind gesinnt wie Er, sie reden wie Er, sie handeln wie Er.

Ja, ein hohes Ziel ist es, das der Apostel mit den Worten ausdrückt: auf daß Christus in euch eine Gestalt gewinne. Andere Sprüche bestätigen es. Ich führe nur zwei an, den einen, wo Paulus von sich selbst sagt: Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir; denn was ich jetjt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes, der mich geliebet hat und sich selbst für mich dargegeben (Gal. 2, 10). Der andere lautet: Nun spiegelt sich in uns allen des Herrn Klarheit mit aufgedecktem Angesicht; und wir werden verklärt in dasselbe Bild von einer Klarheit zu der andern, als vom Herrn, der der Geist ist (2. Kor. 3, 18).

Wenn wir das hören, kann uns das nicht demütigen? Hat Christus in uns eine Gestalt gewonnen? Ist sein göttliches Leben an uns zu sehen? Ist Christi Sinn unser Sinn, Christi Wandel unser Wandel? Wenn wir an unser tägliches Leben denken, an unsern Ausgang und Eingang, an unser Reden und Schweigen, an unsern Handel und Wandel, an unsere Einsamkeit und Gemeinsamkeit, ist wohl bei uns, wie der selige Ter steegen es ausdrückt, in Wort und Werk und allem Wesen nur Jesus und sonst nichts zu lesen?

Ach, wie wird uns bei solchen Fragen, wenn sie dem Herzen recht nahe kommen, zumute! Wie kommt uns ein Schämen an!

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