Johann Albrecht Bengel – Über die Kindheit

Ich erinnere mich noch von meiner Kindheit her, daß, als mein seliger Vater mir frühzeitig gestorben, ich die feste Überzeugung in meinem Herzen gehabt habe, daß ich ihn wollte mit meinem Gebet am Leben erhalten haben, wenn man mich angewiesen hätte, Gott um Verlängerung seines Lebens zu bitten. Ich habe in meiner zarten Jugend lautere, reine, zärtliche göttliche Rührungen gehabt. Man hat mich fromm geheißen, aber nicht weiter nach mir gefragt; ich war wie ein Gras, das auf niemand harrt. Ich habe, als ich etwa sechs oder sieben Jahre alt war, an den in der Kirche angeschrieben gewesenen Sprüchen aus der Epistel an die Römer über den Tod, die Sünde, die Gerechtigkeit und die Wunden des Herrn meine große Freude gehabt.