Anselm von Canterbury – Gericht

Anselm von Canterbury – Gericht

Wer vermag es, die Schrecken des Weltgerichts zu beschreiben, wo die Schaafe zur Rechten, die Böcke zur Linken stehen sollen! Welches Zittern wird herrschen, wann die Kräfte des Himmels sich bewegen werden? Welche Verwirrung wird entstehen, welche Seufzer, welches Heulen und Jammern wird man hören, wenn jenes furchtbare Wort erschallt: Gehet hin von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer! Wahrlich ein Tag des Zornes wird jener Tag sein, ein Tag der Trübsal und Angst, ein nebliger und stürmischer Tag, ein Tag der Posaune und des Feldgeschrei’s. Da wird die Stolzen das ewige Feuer ergreifen, das niemals verlischt, der Wurm wird an ihnen nagen, der nimmer stirbt und der Rauch ihrer Qual wird aufsteigen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Alle Seligen hingegen werden sich freuen und frohlocken, die hier betrübten und zerschlagenen Herzens waren, wann sie zur Rechten gestellt jenes köstliche Wort vernehmen: Kommet her, ihr Gesegneten meines Vaters, ererbet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt. Jubelstimmen werden dann in den Zelten der Gerechten ertönen und himmlische Kronen die Häupter der Treuen schmücken.

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